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Der Georg-Wilhelm-Steller-Weg ist da!

Lebensstationen und Meilensteine der Stadtgeschichte jetzt zu Fuß erkunden.

Pünktlich zum 275. Todestag des berühmtesten Sohnes der Stadt wurde der seit Jahrzehnten ins Auge gefasste, gleichnamige Georg-Wilhelm-Stellerweg beschildert. Bürgermeister Jürgen Heckel lag seine Umsetzung sehr am Herzen und so wurde das Projekt bereits im Mai 2020 zur Chefsache erklärt. Eineinhalb Jahre später ist nun ein Anfang gemacht!

Von Insel zu Insel - wie im Meer

Der beschilderte Stellerweg zieht sich über ca. 3 km durch die alte Reichsstadt und verbindet damit die Franken-Therme mit dem Fränkischen Freilandmuseum. Mit seinen 14 Insel-Stationen ist ein kurzweiliger und informativer Weg rund um das Leben und Werk des großen Forschers entstanden.

Die Lebensstationen Stellers, seine Forschungen zu Heilkräutern, Ethnologie und der Tierwelt, seine Reisen nach Kamtschatka, aber auch die wichtigen Meilensteine der langen Geschichte der ehemals freien Reichsstadt können seit November 2021 zu Fuß durch die Stadt erkundet werden.

Kleine Anekdoten zu Steller, zusammengestellt von Rainer Volkert, ehemaliger Erdkunde- und Sportlehrer am Bad Windsheimer Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium, lockern die Freiluft-Ausstellung auf. Für den langjährigen Stadtrat ist es besonders wichtig, das Wissen über das beeindruckende Forscherleben weiterzutragen und im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern.

Vom Themenweg zum Altstadt-Flair

Eine Verknüpfung mit dem bestehenden, naturnahen Steller-Erlebnispfand durch Kurpark und Gräfwald wären für Volkert ein nächster Schritt. Denn es heißt, diesen „Stellerweg“ nun in den kommenden Jahren mit Leben zu füllen.

Auch Bürgermeister Jürgen Heckel möchte bei diesem Projekt „dran bleiben“. Dazu gehöre auch die Aufenthaltsqualität in der historischen Altstadt zu steigern. Im Gespräch sind bislang Sitzmöglichkeiten und Grünbereiche, die im Rahmen des vom Stadtbauamt mit erarbeiteten Plätze- und Durchgrünungskonzepts umgesetzt werden könnten.

Möblierung, Blumentöpfe und Abfalleimer sollen bis Ende 2023 ausgetauscht werden. „Das alles ist nicht mehr zeitgemäß“, so Heckel. Im Visier hat er u.a. den Bahnhof, den Bürgerbrunnen, den Schüsselmarkt und das Fränkische Freilandmuseum. Die Innenstadt solle dazu viel grüner werden, auch Handy-Ladestationen würden heutzutage dazugehören.

 

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Wer war Georg-Wilhelm Steller?

Hier ein kurzer geschichtlicher Vorgeschmack!

 

Geburtsstunde des Entdeckers in Windsheim

Er wurde am 10. März 1709 als Sohn des städtischen Kantors Johann-Georg Stöller und seiner zweiten Ehefrau Loysa Susanna in der Reichsstadt Windsheim geboren. Sein Taufpate war der Bürgermeister Georg-Wilhelm von Keget. Bereits mit fünf Jahren besuchte er die städtische Lateinschule für Knaben, an der er 1729 das Abitur ablegte. Ausgestattet mit einem Stipendium der Stadt Windsheim studierte er an den Universitäten von Wittenberg, Leipzig und Jena Theologie. Im Anschluss wechselte er an die Universität in Halle an der Saale. Dort begann er ein Studium der Medizin, Zoologie und Botanik. Gleichzeitig arbeitete er als Lehrer in der Schulstadt der Franckeschen Stiftungen.

Eine lange Reise im Namen der Wissenschaft

Nach Abschluss seines Medizinstudiums zog es ihn als Arzt von 1734 bis 1737 nach St. Petersburg, dem Regierungssitz des russischen Zaren. Hier wurde Steller als Adjunkt (Gehilfe) für Naturgeschichte an der Akademie der Wissenschaften angestellt und bewarb sich erfolgreich als Teilnehmer der Großen Nordischen Expedition. Die Expedition war eine zwischen 1733 und 1743 durchgeführte Forschungs- und Entdeckungsreise unter der Leitung des dänischen Kapitänkommandeurs Vitus Bering. Dabei wurden Sibirien, Kamtschatka sowie der nördliche Pazifik, das heutige Beringmeer und dessen Verbindung nach Alaska und Nordamerika erforscht und erkundet. Während dieser Reise legte Steller überwiegend zu Fuß bis zu seinem Tod im Jahre 1746 über 20.000 km zurück. Aufgrund des Fehlens einer kyrillischen Entsprechung für den Umlaut „ö“ änderte er konsequent seinen Familiennamen Stöller in Steller um.

Würdigung nahe eines "Humboldt des Ostens"

Mit dem nach Georg-Wilhelm Steller benannten Weg würdigt die Stadt ihren berühmtesten Sohn, der als Sibirienforscher nicht nur in seiner Geburtsstadt eine tiefe Wertschätzung erfährt, sondern auch bei den Ureinwohnern von Kamtschatka im Fernen Osten Russlands. Neben seinen bedeutenden naturwissenschaftlichen Arbeiten der Botanik und Zoologie - vor allem der Entdeckung der mittlerweile ausgestorbenen Steller’schen Seekuh - ist sein Beitrag zur Ethnographie Kamtschatkas von herausragender Bedeutung.

Man könnte ihn fast als den “Humboldt des Ostens” bezeichnen. Seine Beschreibungen gelten bis heute als die wohl wichtigste Quelle zur Kultur der dort lebenden Itelmenen. Daneben findet aber auch Stellers – für die damalige Zeit ungewöhnliche Vorgehensweise – Beachtung. Denn in ihr werden schon damals methodische Ansätze der empirischen Forschung erkennbar, die Ende des 19. Jahrhunderts das Selbstverständnis der Ethnologie bestimmen sollten.

Sein Ende und Wiederfinden

Leider findet er ein eher unspektakuläres Ende. Gezeichnet von der langen Reise stirbt er 1746 in Tjumen, einer Stadt im heutigen Westsibirien. Wie bei so vielen Entdeckern und Helden der damaligen Zeit verblassen seine Leistungen für die Wissenschaft. Erst im 20 Jahrhundert entdeckt man sie wieder und gründet in Halle, einem der Studienorte Stellers, die nach ihm benannte “Internationale Georg-Wilhelm Steller-Gesellschaft”.