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Georg-Wilhelm-Steller-Weg ab 23. November 2021

Lebensstationen und Meilensteine der Stadtgeschichte bald zu Fuß erkunden!

Das Sprichwort “Was lange währt, wird endlich gut!” erhält eine weitere Facette in Bad Windsheim. Der seit Jahrzehnten ins Auge gefasste “Stellerweg” steht kurz vor seiner Eröffnung. Bürgermeister Jürgen Heckel liegt seine Umsetzung sehr am Herzen und so wurde das Projekt zur Chefsache erklärt.

Der Stellerweg zieht sich über ca. 3 km durch die alte Reichsstadt und verbindet damit die Franken-Therme im Norden der Stadt mit dem Fränkischen Freilandmuseum. Mit seinen 14 Stationen, die als Inseln verstanden werden, ist ein sehr kurzweiliger und informativer Weg rund um das Leben und Werk des großen Forschers entstanden.

Die Lebensstationen Stellers, aber auch die wichtigen Meilensteine der langen Geschichte der ehemals freien Reichsstadt Bad Windsheim können ab 23. November 2021 zu Fuß durch die Stadt erkundet werden.

Informationstafeln lassen die Gäste in die Welt Stellers und der Reichsstadt eintauchen und führen gleichzeitig zu den schönsten Orten in der Stadt. So "erzählen" an jedem Standort Tafeln Geschichten und Anekdoten, aber auch die Meilensteine der langen Stadtgeschichte von Bad Windsheim bis hin zum denkmalgeschützten Kurpark von „Frankens Quelle der Gesundheit“.

Doch wer war Georg-Wilhelm Steller?

 

Geburtsstunde des Entdeckers in Windsheim

Er wurde am 10. März 1709 als Sohn des städtischen Kantors Johann-Georg Stöller und seiner zweiten Ehefrau Loysa Susanna in der Reichsstadt Windsheim geboren. Sein Taufpate war der Bürgermeister Georg-Wilhelm von Keget. Bereits mit fünf Jahren besuchte er die städtische Lateinschule für Knaben, an der er 1729 das Abitur ablegte. Ausgestattet mit einem Stipendium der Stadt Windsheim studierte er an den Universitäten von Wittenberg, Leipzig und Jena Theologie. Im Anschluss wechselte er an die Universität in Halle an der Saale. Dort begann er ein Studium der Medizin, Zoologie und Botanik. Gleichzeitig arbeitete er als Lehrer in der Schulstadt der Franckeschen Stiftungen.

Eine lange Reise im Namen der Wissenschaft

Nach Abschluss seines Medizinstudiums zog es ihn als Arzt von 1734 bis 1737 nach St. Petersburg, dem Regierungssitz des russischen Zaren. Hier wurde Steller als Adjunkt (Gehilfe) für Naturgeschichte an der Akademie der Wissenschaften angestellt und bewarb sich erfolgreich als Teilnehmer der Großen Nordischen Expedition. Die Expedition war eine zwischen 1733 und 1743 durchgeführte Forschungs- und Entdeckungsreise unter der Leitung des dänischen Kapitänkommandeurs Vitus Bering. Dabei wurden Sibirien, Kamtschatka sowie der nördliche Pazifik, das heutige Beringmeer und dessen Verbindung nach Alaska und Nordamerika erforscht und erkundet. Während dieser Reise legte Steller überwiegend zu Fuß bis zu seinem Tod im Jahre 1746 über 20.000 km zurück. Aufgrund des Fehlens einer kyrillischen Entsprechung für den Umlaut „ö“ änderte er konsequent seinen Familiennamen Stöller in Steller um.

Würdigung nahe eines "Humboldt des Ostens"

Mit dem nach Georg-Wilhelm Steller benannten Weg würdigt die Stadt ihren berühmtesten Sohn, der als Sibirienforscher nicht nur in seiner Geburtsstadt eine tiefe Wertschätzung erfährt, sondern auch bei den Ureinwohnern von Kamtschatka im Fernen Osten Russlands. Neben seinen bedeutenden naturwissenschaftlichen Arbeiten der Botanik und Zoologie - vor allem der Entdeckung der mittlerweile ausgestorbenen Steller’schen Seekuh - ist sein Beitrag zur Ethnographie Kamtschatkas von herausragender Bedeutung.

Man könnte ihn fast als den “Humboldt des Ostens” bezeichnen. Seine Beschreibungen gelten bis heute als die wohl wichtigste Quelle zur Kultur der dort lebenden Itelmenen. Daneben findet aber auch Stellers – für die damalige Zeit ungewöhnliche Vorgehensweise – Beachtung. Denn in ihr werden schon damals methodische Ansätze der empirischen Forschung erkennbar, die Ende des 19. Jahrhunderts das Selbstverständnis der Ethnologie bestimmen sollten.

Sein Ende und Wiederfinden

Leider findet er ein eher unspektakuläres Ende. Gezeichnet von der langen Reise stirbt er 1746 in Tjumen, einer Stadt im heutigen Westsibirien. Wie bei so vielen Entdeckern und Helden der damaligen Zeit verblassen seine Leistungen für die Wissenschaft. Erst im 20 Jahrhundert entdeckt man sie wieder und gründet in Halle, einem der Studienorte Stellers, die nach ihm benannte “Internationale Georg-Wilhelm Steller-Gesellschaft”.