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Stellerweg mit Gästen aus Alaska eröffnet

Mit Fachvortrag von Dr. Joachim Ruf von der Steller-Gesellschaft im KKC

Der berühmteste Sohn Bad Windsheims, der Naturforscher und Ethnologe Georg-Wilhelm-Steller (1709 - 1746), hat zu seinen Ehren einen eigenen „Weg“ erhalten.

Zu Beginn dieser Projekt-Periode hatte Bürgermeister Jürgen Heckel den Arbeitskreis Stellerweg ins Leben gerufen. Es war sein persönliches Anliegen und Ziel, diesen Verbindungsweg Kurbereich – Bahnhof – Altstadt – Fränkisches Freilandmuseum umzusetzen.

Informative und ansprechend gestaltete Schilder in den Straßen und an zentralen Plätzen laden seit vergangenen Winter dazu sein, sich auf die Spuren des großartigen Wissenschaftlers und seine Forschungsreisen zu begeben. Er war der erste Europäer, der Alaska betrat und gehört zu den bedeutendsten Naturforschern des 18. Jahrhunderts. Seine Forschungsberichte über Sibirien und Alaska wirken bis heute nach. Nach ihm sind z.B. die Stellersche Seekuh, die Stellerente (Stellersche Scheckente) und der Stellersche Riesenseeadler benannt. Mit dem Stellerweg soll das beeindruckende Wirken des Forschers bekannter gemacht werden.


Die offizielle Einweihung im Mai 2022

- ein Rückblick

Stellerweg mit Gästen aus Alaska eröffnet

Der aus Bad Windsheim stammende Georg-Wilhelm Steller ist ein weltweit bekannter und global bedeutsamer Naturforscher des 18. Jahrhunderts. Dies zeigte sich erneut bei der offiziellen Einweihung des Stellerweg-Projektes in der Kurstadt. Mit Gästen der Universität in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska und der Steller-Gesellschaft in Halle konnte die Stadt Bad Windsheim die erfolgreiche Umsetzung des ersten „Freiluft-Museums“ Stellers, bestehend aus 14 Stationen mit Informationstafeln im Stadtgebiet, Anfang Mai 2022 feiern.

Die Tafelstandorte sollen nun in einem nächsten Schritt zu „Verweilinseln“ ausgebaut werden, kündigte Bürgermeister Jürgen Heckel an. Damit möchte die Projektgruppe Gäste dazu bewegen, sich über die Geschichte Stellers und seiner Geburtsstadt zu informieren und zugleich die Verbindungsachse Franken-Therme, historische Altstadt bis hin zum Fränkischen Freilandmuseum fußläufig zu erkunden.

So ein Themenweg lasse sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln, betonte der Rathauschef beim Festakt im Kur- und Kongress-Center. Viel Arbeit eines ganzen Projektteams stecke darin. In 22 Arbeitssitzungen berieten die Beteiligten, wie die erste Fassung aussehen sollte. Allen voran er selbst zusammen mit seinem Stadtratskollegen Rainer Volkert, der sich seit Jahrzehnten dafür eingesetzt habe, dass der Stellenwert Stellers auch in dessen Heimatstadt Windsheim gesehen und öffentlich vermittelt wird.

Bereits 2009 feierte man den 300. Geburtstag Stellers vor Ort. Erst mit Heckel als Bürgermeister sei das Projekt über zehn Jahre später weiterverfolgt und umgesetzt worden, so Volkert selbst. Der pensionierte Erdkunde-Lehrer erhielt im Rahmen der Feierlichkeiten die Ehrenmedaille der Steller-Gesellschaft, mit der er seit langem verbunden ist.

Eine Festrede Dr. Joachim Rufs von der Steller-Gesellschaft in Halle rundete die Einweihung ab. Ruf würdigte dabei das Wirken des Arztes, Zoologen, Botanikers und Ethnologen der damaligen Zeit.

Ruf selbst ist direkter Nachfahre des Kapitänleutnants Vitus Bering, Namensgeber der Beringinsel, der Beringstraße und des Beringmeeres. Auf seiner rund zehnjährigen Expedition nach Sibirien und Alaska war Steller als Naturwissenschaftler der Petersburger Akademie der Wissenschaft mit an Bord. Die „Große Nordische Expedition“ zielte darauf ab, Sibirien zu erforschen und zu erschließen, den Pazifischen Ozean zu erkunden und einen Weg nach Amerika zu finden. Steller selbst konzentrierte sich auf bis dahin unbekannte Pflanzen und Tiere.

Heute erfahren selbst Besucher des Manati-Hauses im Nürnberger Tiergarten, dass die wohl größte Seekuh, welche jemals gelebt hat, nach Steller benannt ist. Doch nicht nur diese: Wer auf einer USA-Reise Vögel beobachtet, kann dort noch heute eine der zahlreichen Arten der Flora und Fauna sichten, die nach Bad Windsheims berühmtesten Sohn benannt ist. Auf seinen Forschungsreisen mit Vitus Bering entdeckte Steller, der selbst von 1709 bis 1746 lebte, darüber hinaus weitere Tierarten, glücklicherweise auch solche, die heute noch existieren.

Wer mehr erfahren möchte, wird auf den Informationstafeln und auf der Stellerweg-Website fündig. Literatur von Dr. Joachim Ruf gibt es mit den Titeln „Der Mann mit der Seekuh“, „Die Opfer einer Forschungsreise“ und „Gedichte über Steller, Bering und Kamtschatka“.

 


Der "Stellerweg" - bildend & kurzweilig

- Mehr dazu:

 

Von Insel zu Insel - wie im Meer

Der beschilderte Stellerweg zieht sich über ca. 3 km durch die alte Reichsstadt und verbindet damit die Franken-Therme mit dem Fränkischen Freilandmuseum. Mit seinen 14 Insel-Stationen ist ein kurzweiliger und informativer Weg rund um das Leben und Werk des großen Forschers entstanden.

Die Lebensstationen Stellers, seine Forschungen zu Heilkräutern, Ethnologie und der Tierwelt, seine Reisen nach Kamtschatka, aber auch die wichtigen Meilensteine der langen Geschichte der ehemals freien Reichsstadt können seit November 2021 zu Fuß durch die Stadt erkundet werden.

Kleine Anekdoten zu Steller, zusammengestellt von Rainer Volkert, ehemaliger Erdkunde- und Sportlehrer am Bad Windsheimer Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium, lockern die Freiluft-Ausstellung auf. Für den langjährigen Stadtrat ist es besonders wichtig, das Wissen über das beeindruckende Forscherleben weiterzutragen und im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern.

Vom Themenweg zum Altstadt-Flair

Eine Verknüpfung mit dem bestehenden, naturnahen Steller-Erlebnispfand durch Kurpark und Gräfwald wären für Volkert ein nächster Schritt. Denn es heißt, diesen „Stellerweg“ nun in den kommenden Jahren mit Leben zu füllen.

Auch Bürgermeister Jürgen Heckel möchte bei diesem Projekt „dran bleiben“. Dazu gehöre auch die Aufenthaltsqualität in der historischen Altstadt zu steigern. Im Gespräch sind bislang Sitzmöglichkeiten und Grünbereiche, die im Rahmen des vom Stadtbauamt mit erarbeiteten Plätze- und Durchgrünungskonzepts umgesetzt werden könnten.

Möblierung, Blumentöpfe und Abfalleimer sollen bis Ende 2023 ausgetauscht werden. „Das alles ist nicht mehr zeitgemäß“, so Heckel. Im Visier hat er u.a. den Bahnhof, den Bürgerbrunnen, den Schüsselmarkt und das Fränkische Freilandmuseum. Die Innenstadt solle dazu viel grüner werden, auch Handy-Ladestationen würden heutzutage dazugehören.

 

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Wer war Georg-Wilhelm Steller?

Hier ein kurzer geschichtlicher Vorgeschmack!

 

Geburtsstunde des Entdeckers in Windsheim

Er wurde am 10. März 1709 als Sohn des städtischen Kantors Johann-Georg Stöller und seiner zweiten Ehefrau Loysa Susanna in der Reichsstadt Windsheim geboren. Sein Taufpate war der Bürgermeister Georg-Wilhelm von Keget. Bereits mit fünf Jahren besuchte er die städtische Lateinschule für Knaben, an der er 1729 das Abitur ablegte. Ausgestattet mit einem Stipendium der Stadt Windsheim studierte er an den Universitäten von Wittenberg, Leipzig und Jena Theologie. Im Anschluss wechselte er an die Universität in Halle an der Saale. Dort begann er ein Studium der Medizin, Zoologie und Botanik. Gleichzeitig arbeitete er als Lehrer in der Schulstadt der Franckeschen Stiftungen.

Eine lange Reise im Namen der Wissenschaft

Nach Abschluss seines Medizinstudiums zog es ihn als Arzt von 1734 bis 1737 nach St. Petersburg, dem Regierungssitz des russischen Zaren. Hier wurde Steller als Adjunkt (Gehilfe) für Naturgeschichte an der Akademie der Wissenschaften angestellt und bewarb sich erfolgreich als Teilnehmer der Großen Nordischen Expedition. Die Expedition war eine zwischen 1733 und 1743 durchgeführte Forschungs- und Entdeckungsreise unter der Leitung des dänischen Kapitänkommandeurs Vitus Bering. Dabei wurden Sibirien, Kamtschatka sowie der nördliche Pazifik, das heutige Beringmeer und dessen Verbindung nach Alaska und Nordamerika erforscht und erkundet. Während dieser Reise legte Steller überwiegend zu Fuß bis zu seinem Tod im Jahre 1746 über 20.000 km zurück. Aufgrund des Fehlens einer kyrillischen Entsprechung für den Umlaut „ö“ änderte er konsequent seinen Familiennamen Stöller in Steller um.

Würdigung nahe eines "Humboldt des Ostens"

Mit dem nach Georg-Wilhelm Steller benannten Weg würdigt die Stadt ihren berühmtesten Sohn, der als Sibirienforscher nicht nur in seiner Geburtsstadt eine tiefe Wertschätzung erfährt, sondern auch bei den Ureinwohnern von Kamtschatka im Fernen Osten Russlands. Neben seinen bedeutenden naturwissenschaftlichen Arbeiten der Botanik und Zoologie - vor allem der Entdeckung der mittlerweile ausgestorbenen Steller’schen Seekuh - ist sein Beitrag zur Ethnographie Kamtschatkas von herausragender Bedeutung.

Man könnte ihn fast als den “Humboldt des Ostens” bezeichnen. Seine Beschreibungen gelten bis heute als die wohl wichtigste Quelle zur Kultur der dort lebenden Itelmenen. Daneben findet aber auch Stellers – für die damalige Zeit ungewöhnliche Vorgehensweise – Beachtung. Denn in ihr werden schon damals methodische Ansätze der empirischen Forschung erkennbar, die Ende des 19. Jahrhunderts das Selbstverständnis der Ethnologie bestimmen sollten.

Sein Ende und Wiederfinden

Leider findet er ein eher unspektakuläres Ende. Gezeichnet von der langen Reise stirbt er 1746 in Tjumen, einer Stadt im heutigen Westsibirien. Wie bei so vielen Entdeckern und Helden der damaligen Zeit verblassen seine Leistungen für die Wissenschaft. Erst im 20 Jahrhundert entdeckt man sie wieder und gründet in Halle, einem der Studienorte Stellers, die nach ihm benannte “Internationale Georg-Wilhelm Steller-Gesellschaft”.